TIL-TAG 2026

TIL-TAG 2026

Datum: 13.06.2026

Preis: 70,00 €

Einlass ab 9.15 Uhr

9.40                                   Kurze Eröffnung des TIL-TAG 

                                          durch DP Irina Vogt

9.45 – 10.45 Uhr               Dr. Ralf Vogt                                         

Buchvorstellung: Was uns nicht umbringt, macht uns stärker - GESTÖRT                             

„Was uns nicht umbringt, macht uns stärker!“ – ist ein geflügeltes Wort, was auch in anderen europäischen Sprachen eine Nachkriegsmetapher geworden ist. Neuere Psychotraumaforschung belegt jetzt, dass an dieser These etwas dran ist. Depressive und autodestruktive Störungsgruppen sind nach zwischenmenschlichen Gewaltkatastrophen bekannt. Es gibt aber eine kleinere Störungsgruppe, die im Prozess des traumatischen Niedergangs wie ein „Phönix aus der Traumaasche“ aufsteigt! Diese Abspaltungsdynamik der Seele hat einen Preis: Es entwickelt sich eine Persönlichkeitsstörung die uns alle im sozialen Feld mit den Eigenschaften: Energetische BESESSENHEIT, jähzornige KRÄNKBARKEIT und irrationalen STARRSINN belastet. Das Problem wird für die Sozialgemeinschaft noch größer, weil diese Gruppe – im Gegensatz zu den erstgenannten – psychotherapeutische Analysearbeit verachtet oder wie der Teufel das Weihwasser fürchtet. Es gilt jetzt: Was uns nicht umbringt – macht uns stärker – GESTÖRT!! Im Buch werden dazu politische Dimensionen, psychologische Erklärungskonzepte und Behandlungsmethoden diskutiert. 

Vita: Dr. rer. nat., Dipl.-Psych. Ralf Vogt, ist Psychoanalytiker, Psychotraumatologe, Psychohistoriker in freier Praxis seit 1992. Er besitzt 8-jährige klinische Erfahrungen aus der Akutpsychiatrie und ist in seiner Profession auch analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer  Familientherapeut sowie Behandler für Imaginative Psychotherapie. Im Bereich von komplextraumatisierten Patienten arbeitet er seit ca. 30 Jahren und hat seit dem Jahr 2000 ein eigenes Behandlungsprogramm für dissoziative Störungen (SPIM-20-KT, später SPIM 30). Herr und Frau Vogt bilden im Trauma-Institut-Leipzig seit 2002 Psychotraumatherapeuten und Fachberater im SPIM 30-Verfahren aus, wozu es zwischenzeitlich 12 Fachbücher mit Forschungsergebnissen gibt. (www.traumainstitutleipzig.de).

Dr. Vogt ist Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award – 2011 und C. Wilbur Award 2017 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet) und derzeit aktives Mitglied in der ISSTD, ESTD, DeGPT, GPPP und DGK.

Das Trauma-Institut-Leipzig organisiert internationale Traumatagungen seit 2007. 

30 Minuten Pause (10.45 – 11.15 Uhr)

11.15 – 12.45 Uhr             Dr. med. Ludwig Janus                            

Teil 1: Lebensgeschichtliche Bedeutung von Schwangerschaft und Geburt  

In früheren Zeiten waren Schwangerschaft und Geburt „einfach“ ein natürliches Geschehen, bei dem Hebammen mit ihrem erfahrungsbasierten Wissen der Schwangeren beistanden. Mit der sich entwickelnden Medizin im 18. Jahrhundert begann man auch, die körperlichen Vorgänge bei der Geburt zu verstehen und in der Folge davon übernahmen zunehmend Männer die Leitung bei der Geburt. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich dann die Wahrnehmung, dass das Kind die Geburt auf einer affektiven Ebene erlebt. Und in der psychotherapeutischen Situation machte man die Beobachtung, dass dieses Erleben, besonders am Ende von Behandlungen aktiviert werden konnte. In den letzten Jahrzehnten gab es im Rahmen der Psychologie hierzu eine intensive Forschung, sodass wir die Besonderheiten der menschlichen Geburt heute besser verstehen. Ein wesentlicher Faktor ist die Unreife bei der Geburt, was bedeutet, dass die Geburt auf einem affektiven Niveau des Stammhirns erfahren wird und diese Erfahrung einen prägungsartigen Charakter hat. Das bedeutet bei traumatischen Belastungen, dass sie nicht weiterverarbeitet werden können, sondern einen komplexen Nachhall im späteren Leben behalten. In Stresssituation wie zum Beispiel bei Examen können diese primitiven Affekte störend wieder belebt werden. Durch die heutige übertechnisierte Geburtshilfe kommt es fast regalhaft zu traumatischen Belastungen, die heute aber erkannt und reflektiert werden können. Dabei geht es um die Ergänzung der Schwangerschaft und Geburt als Außenerfahrung durch die Innenwahrnehmung von Schwangerschaft und Geburt.

45 Minuten Pause (12.45 – 13.30 Uhr)

13.30 – 15.00 Uhr             Dr. med. Ludwig Janus                            

Teil 2: Kulturpsychologische Verarbeitung von Schwangerschaft und Geburt 

Die neurologische Unreife bei der Geburt und die damit verbundene elementare Hilflosigkeit hat in der Evolution des Homo sapiens zu dem elementaren Impuls geführt, die Welt so zu verändern, dass sie sich ein Stück weit, wie die zu früh verlorene Mutterwelt anfühlt. Das geschah zunächst auf der Ebene der Stammeskulturen in magischen Ritualen, auf der Ebene der antiken Kulturen dann in einer Differenzierung einer irdischen von einer himmlischen Welt, die Repräsentant der verlorenen Mutterleibswelt war und letztlich immer noch das Geschehen auf der Erde bestimmte, wie auch in der vorgeburtlichen und nachgeburtlichen Welt magisch und mythisch erlebte Elternwesen das Geschehen bestimmen, so auch in der kulturellen Lebenswelt. Erst mit der Aufklärung und der Forderung nach einer Bestimmung aus sich selbst und die Nutzung des eigenen Verstandes beginnt die eindeutige Trennung zwischen Innenwelt und Außenwelt mit der Ermöglichung all der Erfindungen, die das Leben in der moderne bestimmen. Sollten früher magische Rituale und mythische Inszenierungen, die primäre Einheit wiederherstellen, so soll dies heute durch technische Erfindungen und wissenschaftliche Entdeckungen geschehen. Es gilt, diese Zusammenhänge zu reflektieren, um wirkliche Verantwortung übernehmen zu können.

Vita: Ludwig Janus, MD, ehemaliger Präsident der Internationalen Gesellschaft für Pränatale und Perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) (www.isppm.de), ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychohistorische Forschung und Politische Psychologie (GPPP) (www.psychohistorie.de). Mitglied der Gesellschaft für Bindungsanalyse nach Hidas und Raffai (Förderung der Mutter-Kind-Beziehung, www.bindungsanalyse.de). Direktor des Instituts für Pränatale Psychologie und Medizin (www.praenatalpsychologie.de).

Veröffentlichungen zur Geschichte der Psychoanalyse, zur Geschichte der Pränatalpsychologie, zur Psychohistorie und zur Pränatalpsychologie siehe www.Ludwig-Janus.de.

ENDE 15.00 Uhr

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